Finger weg von meiner Waffe
Nicht, dass es den Falschen erwischt
Der nächste Schuss ist meiner
Gib mir deine Hand
Ich halte so lange, bis ich zünde
Und lass los, wenn ich falle
Dein Atem in meinem Ohr
Ein letzter kalter Schauer
Biss in den Hals
Du schließt die Augen
Ich drücke ab
Mein Herz blutet für dich
© soleauabgelegt in Frühling
[2]
Mindesthaltbarkeitsdatum
Remoulade auf der Hose
Sodbrennen
Bus verpasst
Abgasgeruch
Unkraut am Bordstein
Blick in die Augen
Kalte Hände
Herzflimmern
„Is‘ was?“
„Wieso?“
„Nur so.“
© soleauabgelegt in Delta-Trilogie
Jedes Wort gleicht einem Hilfeschrei
Doch prallen die Wörter an der Mauer ab
Deren Steine die Wörter selbst sind
Und so lösen sich Steine
Schreie dringen hindurch
Reißen andere Steine mit sich
Übrig bleibt nur Schutt und Staub
Denn umbaut hat sich ein Niemand
© soleauabgelegt in Vergangenes
Die völlige Lustlosigkeit hatte ihn wieder eingeholt. Nach einem Wochenende, an dem man durchgehend mit den gleichen Menschen zu tun hatte, fühlte er sich am ersten Tag der Woche ohne diese Dauerbeschäftigung an wie ein Legastheniker, dem es trotz größter Sehnsucht nicht gelingen konnte, auch nur einen Satz auf ein leeres Blatt Papier zu schreiben. All die Gedanken und Gefühle, all das, was er vielleicht an einem Tag, oder an einem Wochenende erlebt hatte, all das, was ihn fertig gemacht und erfreut, was ihn in irgendeiner Weise beschäftigt hatte, schien überhaupt keinen Sinn mehr zu machen, kein roter Faden, kein Verständnis, kein Gefühl schien mehr vorhanden zu sein. All seine Hoffnungen zerbrachen wie ein Zahnstocher. Traf er nun auf die Menschen, mit denen er eine gute oder beschissene Zeit hatte, wirkten diese Menschen auf ihn so, als hätte er nie auch nur ein Wort mit ihnen geredet.
Traf er nun doch auf eine Frau, die ihn an einem dieser Tage mal ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hatte, eine Frau, die ihn vom deprimierenden Alltag ablenkte und all seine pessimistischen Gedanken zerfließen ließ, als wären es nur haltlose Illusionen gewesen, die von dann an unwichtig und lächerlich schienen und selbst ihr Recht auf Existenz völlig illusionär wirkte, so riss diese Frau dem Menschen mit der kleinsten kalten Schulter, der kleinsten Interessenlosigkeit, eine tiefe Lücke ins Herz, eine Lücke, die die Sehnsucht erstarren und erfrieren ließ. In diesem Moment wurde der Grund für das vergangene Lächeln zur Illusion, und all die Illusionen, die vorher bestanden hatten, stauten sich zusammen, um den Glauben und die Hoffnung an Geborgenheit und Liebe in unerreichbare Ferne rücken zu lassen.
© soleauabgelegt in Hirngespinste