Langsamer Tag - langsame Nacht
Grelles Licht, essen
Satt werden, wieder hungrig werden
Trockenes Brot, wenig Tinte im Stift
Zittrige Hand
Warten auf eine Nachricht von Lou
Ablenkung
Wimper im Auge
Schreie von draußen, wackelnder Tisch
Schwäche für schlechte Filme
Bettdecke ist zu kurz
Träumerei
Massage im Nacken
Kopf fällt zurück
Kuss
Träumerei
Leere Flasche
Fliege im Glas
Bild auf der Wand hat Flecken
Herz-Schritt-Macherin
© soleauabgelegt in Exkurs
[1]
Wecker kaputt
Schmutziges Besteck
Kein Licht im Bad
Nasse Zeitung
Kleingeld zählen beim Bäcker
Mülltonne auf der Straße
Flüchtiger Blick
Hund an der Leine
Magengeschwür
Fußnagel eingerissen
Schimmel am Flaschenboden
Laute Nachbarn
© soleauabgelegt in Delta-Trilogie
Als kleines Kind war man stets von der Größe einer Sache begeistert. War ein Haus groß, schwärmte man davon. Die Dinosaurier waren groß gewesen. Nur deswegen fand man sie doch so faszinierend. Und weil man sie aus Bilderbüchern kannte. Hätte ich damals vor so einem Ding gestanden; ich wäre gerannt. Hatte man Geburtstag, war es wichtig, dass die Torte immer groß war. Viel größer als die vom besten Freund. Man musste sich ja doch immer gegenseitig ausstechen. Die Geschenke mussten natürlich auch groß sein. Was hätte einem so ein kleines Spielzeugauto auch schon gebracht. Es musste groß sein, nach Möglichkeit sogar irgendein Panzer oder so ein LKW, den man mit einer Fernsteuerung durch’s Wohnzimmer brettern lassen konnte. Hauptsache groß. Irgendwann verlor man das Interesse und es musste was neues her. Woran man dann schleißlich auch wieder das Interesse verlor. Ein ewiger Kreislauf, bis man dann irgendwann lernte, sich mit weniger zufrieden zu geben. Weniger war mehr, redete ich mir ein.
Und heute laufe ich durch den Supermarkt und bin beeindruckt, für wie wenig Geld man sich mittlerweile volllaufen lassen kann.
© soleauabgelegt in Hirngespinste
Vor ein paar Tagen hatte ich mich mit ein paar Leuten in der Stadt getroffen, um auf meinen neuen Job anzustoßen. Neben den Personen meiner Wahl hatte sich auch so ein Typ eingeschlichen, den ich gar nicht erst angefragt hatte. Er hieß Ronnie. Böse Zungen nannten ihn auch Schönwetter-Ronnie, doch waren diese bösen Zungen rar gesät. Leider, denn er war ein Heuchler, der sich bei vielen durch die Hintertür einschleimte, und immer wurmte es mich, wenn irgendwer mit ihm da saß und nicht bemerkte, was für ein Hund er doch war. Er war ein fieser Kerl, und einige erkannten das sogar. Manche waren zu feige, ihm das mal zu sagen oder ihn so zu behandeln, wie er es verdient hatte. Viele andere bekehrte er mit seiner schleimenden und blöden Art, und viele fielen auf ihn rein. Es brachte ihm letztendlich nichts, und den anderen auch nicht. Er war ein Meister darin, die schützende und bemitleidende Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Würde man ihm ans rechte Schienbein stoßen, fing er an zu jammern und nur wenigen würde auffallen, dass er sich nach einiger Zeit vor lauter Schauspielerei das linke Bein reiben würde. Wahrscheinlich war er auch nur ein ganz armes Würstchen; wahrscheinlich war es nur ein Haufen armer Würstchen, er, und die, die mit ihm parat kamen, die sich untereinander alle nur belogen und beschleimten, ohne zu bemerken, dass sie sich gegenseitig bescheißten.
Naja, Ronnie. Ich hatte irgendwann mal einen meiner Notizblöcke in so einem Laden liegen lassen und Ronnie hatte sich ihn geschnappt, darin rumgelesen, und Sachen erzählt, die niemanden etwas angingen. Es hatte mich auf die Palme gebracht. Dieser Arsch.
„Ronnie“, schnauzte ich ihn an, „was zum Arsch willst du hier? Hab ich dich gebeten, heute herzukommen? Und wahrscheinlich willst du auch noch auf meine Karte saufen!“
Ich stand auf, ging zu ihm rüber ans andere Ende vom Tisch. Ich packte ihn beim Kragen, zog ihn hoch.
„Ey Mann, ist doch alles easy“, lächelte, beziehungsweise näselte er mich an.
„Verpiss dich du Hund. Dass ich dich heut’ bloß nicht mehr sehe, sonst schlag ich dir auf deine Fresse!“
Der Abend war gelaufen. Und ich glaube, ich hatte es mir auch mit den anderen Leuten versaut. Ronnies Leuten. Ein gelungener Abend.
© soleauabgelegt in Alltag